Griechisch-katholische Elitenbildung in Wien (1775-1918)
Greek Catholic Elite Formation in Vienna (1775–1918). People, Networks, and Ecclesial Identities in the Habsburg Empire.
FWF-Einzelprojekt
Projektlaufzeit: 01.10.2026 - 30.09.2029
Dieses Projekt untersucht die Ausbildung griechisch-katholischer Eliten in Wien. Zwischen 1775 und 1918 wurden mehr als 1.000 (zukünftige) Kleriker, die katholischen Ostkirchen byzantinischer Tradition aus dem Raum der Habsburgermonsarchie angehörten, in vier Einrichtungen ausgebildet: Dem Barbareum, dem Stadtkonvikt, dem griechisch-katholischen Zentralseminar sowie dem Frintaneum. Das akademische Studium erfolgte an der Universität Wien. Die Studierenden, von denen bisher ca. 1.200 identifiziert werden konnten, waren Ukrainer/Ruthenen, Rumänen, Ungarn, Kroaten und Slowaken. Die Bedeutung dieser Gruppe zeigt sich auch daran, dass 1910 in der österreichischen Reichshälfte der Monarchie 12% der Bevölkerung dieser kirchlichen Tradition angehörten, in der ungarischen waren es 10%. Der Pfarrklerus war bis zum Ende des 19. Jh. die einzige Bildungselite. Deshalb wurden nicht wenige der in Wien studierenden Kleriker zu Kulturträgern, einige auch zu Führungspersönlichkeiten in Kirche und Gesellschaft sowie zu Mitbegründern nationaler Bewegungen. In der Erforschung ihrer Geschichte zeigen sich multikulturelle Erfahrungen. Gerade die Bildung spielt eine Schlüsselrolle für das Verständnis religiöser, nationaler und kultureller Zusammenhänge.
Das Projekt zielt darauf ab, Akteure, Institutionen und Netzwerke sichtbar zu machen. Es sollen kirchliche Identitäten und wissenschaftsgeschichtliche Aspekte beleuchtet werden, die Europa bis heute prägen. Das Projekt umfasst zwei Teilprojekte. Eines ist auf die Erstellung einer prosopografischen Datenbank der genannten Studierenden ausgerichtet, die nach Projektende weitergeführt werden kann. Das ACDH (Austrian Centre for Digital Humanities) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften stellt als assoziierter Forschungspartner die Datenbank zur Verfügung. Es werden Daten zu Personen, Orten, Zeiträumen, Ereignissen, Institutionen und Quellen gesammelt. Quellenbasis sind insbesondere Archive und Bibliotheken aus Österreich, aber auch aus der Ukraine, Rumänien, Ungarn, Kroatien, Polen, der Slowakei und Italien bzw. dem Vatikan.
Das zweite Teilprojekt befasst sich mit dem Frintaneum bzw. Priesterkolleg St. Augustin (1816–1918), das als klerikale „Kaderschmiede“ auch für die Ausbildung von rund 100 griechisch-katholischen Studenten verantwortlich war. In Zusammenarbeit mit dem Frintaneum-Experten Rupert Klieber und weiteren ForscherInnen sollen die religiösen, kulturellen und politischen Dimensionen der Ausbildung griechisch-katholischer Eliten erhoben werden. Der prosopografische Ansatz wird mit Netzwerkanalyse und kollektiver Biografie kombiniert. Vorbereitet wird ein Sammelband, in dem die Ergebnisse dieses Projekts veröffentlicht werden.
Projektteam:
Univ.-Prof. Dr. Dr. Thomas Mark Németh (Principal Investigator)
Katalin Földvári, PhD
Dr. Viktoriya Hryaban
Răzvan Roşu, PhD